Kamp-Lintfort. Als Fabio Groso im Halbfinalspiel der Fussball-Weltmeisterschaft mit seinem unhaltbaren Linksschuß die Führung für die Gäste aus Italien erzielte, tauchte urplötzlich - wie kurz zuvor der Torschütze im Strafraum - die Frage auf: “Was machen WIR eigentlich, wenn keine WM mehr ist?”.
Diese Frage stellt sich nun nicht mehr. Die Fussballweltmeisterschaft, die eigentlich mit dem Finale am kommenden Sonntag in Berlin beendet gewesen wäre, muss wiederholt werden.
Die FIFA gab gestern der Beschwerde eines 43jährigen Lehrers aus dem niederrheinischen Kamp-Lintfort statt, der beklagte, dass er während des Eröffnungsspiels zwischen Deutschland und Costa Rica auf der Sitzschale 12 im Unterrang 1B sitzen musste, und nicht auf der Sitzschale 8 Platz nehmen durfte, für die er eigentlich ein Ticket besaß.
Der Vater von 11 Kindern teilte mit, dass er durch die Diskussion mit dem Sicherheitspersonal das wunderschöne 1:0 von Phillip Lahm verpasst hätte und ihm sogleich die Lust am weiteren Turnierverlauf vergangen sei.
Der Niederrheiner, der seit 28 Jahren kein Tor der deutschen Nationalmannschaft verpasst hatte, zeigte sich nach Urteilsverkündung gelöst und sagte auf die Frage, was er denn als erstes gemacht hat, als er vom Urteilsspruch aus Genf erfuhr: “Ich habe eine Email an meinen großen Widersacher Jens Krupp geschickt. Der hat nämlich seit 34 Jahren kein Tor verpasst und hat sich schon ins Fäustchen gelacht. Ich habe nicht viele Worte verloren und nur `Bätsch´ geschrieben”.
Große Enttäuschung natürlich in Italien und Frankreich, denn das Finale am kommenden Sonntag wurde abgesagt. Aus Rom war zu hören, dass es sich um eine große Verschwörung handelt, ein Skandal, den wahrscheinlich die Engländer angezettelt hätten, um mit allen Mitteln der Gerichtsbarkeit eine neuerliche Chance auf ein erfolgreiches Elfmeterschießen zu erzwingen.
Paris, das überlegt aus der Europäischen Union auszutreten, verdächtigt allerdings eher die Niederlande. Die Beziehungen seien äußerst angespannt. Frankreich hätte die Niederlande stets als große Sportnation in Erinnerung gehabt. Man könne verstehen, dass die Schmährufe aus den deutschen Stadien die niederländische Volksseele getroffen hätten, aber das sei kein Grund, dass die Niederländer sich der Klage angeschlossen haben.
Jubel allerdings in Berlin. Spontan kamen 2 Millionen Menschen auf die Fanmeile, um ein Interview mit Franz Beckenbauer zu sehen. Immer wieder riefen die deutschen Fans: “Berlin, Berlin, wir fahr´n doch nach Berlin!”.
Auch Franz Beckenbauer zeigte sich glücklich und zufrieden und sagte, dass er sich an die Flüge im Helikopter gewöhnt habe und dass er schon sinnierte, wie er sich denn nach der WM fortbewegen werde. Nun sei die Frage ja hinfällig und er freue sich auf das Comeback von Olli Kahn, der - so ließ das Trainerteam um Jürgen Klinsmann verlauten - in den letzten Wochen mental eine Riese geworden sei und im Training einen bestechenden Eindruck hinterlassen hätte.
Jubel auch im Ausland. Die Fans aller teilnehmenden Nationen haben sich sofort wieder auf den Weg nach Deutschland gemacht. Daher ist am Wochenende mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, denn durch den Ferienbeginn in zahlreichen Bundesländern wird das Verkehrsaufkommen stark ansteigen.